Von weiblichen Nadeln und männlichen Pinzetten. Möglichkeiten und Grenzen der archäologischen Geschlechterforschung

„Frauenforschung, Geschlechterforschung und feministische Ansätze spielten in der deutschsprachigen Ur- und Frühgeschichte lange Zeit so gut wie keine Rolle. Auf der Grundlage eines biologistischen Bildes der Geschlechter wurde in unserem Fach weithin angenommen, Geschlechterrollen seien universell, unabhängig von Epoche und Region im Wesentlichen immer gleich gewesen. Damit erübrigten sich Untersuchungen zu diesem Aspekt einer Gesellschaft. Zugleich erlaubte diese Annahme die a priori Zuweisung von Grabbeigaben an Frauen oder Männer.
Erst in den letzten Jahren wird die Grundannahme von der Unveränderlichkeit der Geschlechterrollen in Frage gestellt und die Notwendigkeit diesbezüglicher Untersuchungen erkannt. Geschlechterrollen werden zunehmend als variabel und Teil des jeweiligen Sozialgefüges begriffen. Regionale Untersuchungen zu Gräberfeldern der Eisenzeit lassen inzwischen erahnen, wie unterschiedlich die Geschlechter im Bestattungsritus je nach Region und Epoche dargestellt wurden.
Der Beitrag erläutert, welche Chancen und Veränderungen die Entwicklung der Geschlechterforschung mit sich bringt, inwieweit sie noch von traditionellen Vorannahmen beeinflusst wird und auch, welche Fallstricke bei der Erforschung des Faktors Geschlecht zu beachten sind.“

Autor: Jana Esther Fries

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